Wo ist die Beute?

Wo ist die Beute?
Ein 36-jähriger Nünchritzer war an einem Einbruch in eine Spielothek beteiligt. Es muss aber Mittäter gegeben haben. Denn von dem Geld fehlt jede Spur.
 
Von Thomas Riemer
 
Sechseinhalb Jahre seines 36-jährigen Lebens hat Thomas K. hinter
Gittern verbracht. Nach seiner jüngsten Verhandlung vor dem Riesaer
Amtsgericht muss er zwar keine gesiebte Luft schnuppern. Doch die
Beteiligung an einem Einbruch in die Spielothek auf der Riesaer Straße
in Nünchritz konnte ihm das Gericht trotzdem nachweisen. Vier Monate
Gefängnis drohen ihm jetzt, wenn er die zweijährige Bewährungszeit
nicht nutzt.
Und dabei hatte K. sogar Glück. Denn im Zusammenhang mit der Tat wurden
„nur“ seine Fingerabdrücke gesichert. Von der Beute – ein Wert im
vierstelligen Bereich – fehlt bis heute jede Spur. Deshalb gehen die
Ermittler davon aus, dass es zwei weitere Täter gab in jener Nacht vom
16. zum 17. August des vergangenen Jahres. Was genau geschah, ist nicht
bis zum Ende geklärt. In dem Lokal wurde ein Spielautomat geknackt.
Außerdem nahmen die Ganoven einen Zigarettenautomaten mit, den sie
später auf den Elbwiesen zurückließen.
Thomas K. wirkt fahrig, als Staatsanwältin Birgit Zuber die
Anklageschrift verliest, schüttelt immer wieder mit dem Kopf. Er sei in
jener Nacht mit dem Fahrrad unterwegs gewesen zu seiner Freundin nach
Riesa. Nahe des Elberadweges habe ihn dann unvermittelt die Polizei
kontrolliert. K.: „Ich hatte weder Werkzeug noch einen Rucksack dabei.“
Allerdings gibt er zu, Stammkunde in der Spielothek zu sein. Mit dem
„Bruch“ vom 17. August aber habe er nichts zu tun.
Richter Mischa Hecker sieht das anders. Am Geldfach des geknackten
Automaten seien die Fingerabdrücke des Angeklagten nachgewiesen worden.
„Ich kann mir nicht vorstellen, wie die dorthin gekommen sind“,
streitet K. ab. Doch der Richter bohrt weiter. Die Abdrücke deuten
darauf hin, dass das Geldfach mit Daumen und Zeigefinger umklammert
wurde. „Die Fingerabdrücke sind doch nicht durch Zauberhand dahin
gelangt“, so Hecker. Sein Vorwurf an den Angeklagten: „Ihre Geschichte
ist löchrig wie ein Schweizer Käse.“
Dann wird es noch ein bisschen dubioser. Denn Thomas K. machte auf
seinem Weg nach Riesa offenbar kehrt. „Weil mein Fahrrad kaputt war“,
erklärt er. Und prompt gerät er ein zweites Mal in eine
Polizeikontrolle. Diesmal gibt er an, auf dem Weg nach Glaubitz zwei
Personen gesehen zu haben. Wohin die gegangen sind – „keine Ahnung“.
Waren es die Komplizen?
Staatsanwältin Zuber ist sich sicher: „Thomas K. muss das Geldfach in
den Händen gehabt haben.“ Ob er den Automaten geknackt hat, könne
allerdings nicht nachgewiesen werden. Eine Beteiligung an der Straftat
stehe für sie jedoch außer Frage. Das erbeutete und bis heute
verschwundene Geld könne durchaus bei den bislang Unbekannten sein. „K.
war offensichtlich nicht der Initiator und nicht allein. Aber er war am
Ort und damit beteiligt“, so die Staatsanwältin. Mit seinem Urteil von
vier Monaten Haft, ausgelegt zu zwei Jahren Bewährung, bleibt Richter
Hecker zwar leicht unter ihrem Antrag.
Doch Thomas K. ist trotzdem „platt“. Er wirft dem Gericht
Vorverurteilung vor. Dabei habe er alle seine früheren Strafen
abgesessen. Trotzdem werde er immer wieder mit Vorwürfen aus seiner
Vergangenheit – unter anderem Drogenkonsum und Computerbetrug –
konfrontiert. Und jetzt das, wo er gerade ein neues Leben anfangen
wollte.
Dass die Bewährungsstrafe ihm diese Chance allemal lässt, macht Mischa
Hecker klar. „Sie können jetzt an ihrem Leben arbeiten“, sagt er.
 
(Sächsische Zeitung Riesa, 28. April 2012)
 

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