Zeugnisse gefälscht

Zeugnisse gefälscht
Eine 35-Jährige Physiotherapeutin gesteht Urkundenfälschung ein. Inzwischen ist ihre Praxis geschlossen und sie muss eine Geldstrafe zahlen.
 
Von Thomas Riemer
 
Richter Mischa Hecker muss weder lange bitten noch bohren. „Ja, ich
habe es getan,“ sagt die Angeklagte. Die nach außen selbstbewusst
erscheinende Frau macht kein Hehl daraus, dass sie vor geraumer Zeit
beim Verband der Ersatzkassen (VdEK) Kopien von angeblichen Zeugnissen
über besondere Qualifizierungen als Physiotherapeutin eingereicht hat.
Die gelernte Physiotherapeutin gibt auch zu, „besondere Leistungen“ bei
der Krankenkasse abgerechnet zu haben. Die wurden in der Riesaer Praxis
der jungen Frau aus einem Dorf bei Großenhain auch tatsächlich
erbracht, zum Teil von Angestellten der 35-Jährigen. Sie betonte vor
Gericht mehrmals, dass es keinen einzigen Fall gab, dass sie vom Arzt
der Patienten verordnete Behandlungen nicht vorgenommen hat. Sie selbst
aber hätte einen Teil davon wegen der fehlenden Qualifizierung so nicht
abrechnen dürfen.
Das befand zumindest der VdEK so und schickte die Angeklagte eine
Schadenersatzforderung in Höhe von fast 9000 Euro. Zu der Zeit, vor
etwa zwei Jahren, war die junge Frau gerade schwanger, „und es lief
gerade alles nicht so, wie es sein sollte“. Die Kassen verhängten dann
gleich noch einen Zahlungsstopp an ihre Praxis, die inzwischen nicht
mehr existiert. Von den Ansprüchen auf Schadenersatz hat Jana S. danach
nichts mehr gehört. Beim Verfahren vor dem Riesaer Amtsgericht wegen
Urkundenfälschung in zwei Fällen befand Oberstaatsanwältin Karin Dietze
den der Kasse angeblich entstandenen Schaden als „juristisch dubios“,
„nicht nachvollziehbar“ und „de facto nicht vorhanden“.
Angesichts der damals schwierigen Situation habe die Angeklagte die
„Urkundenfälschung aus den persönlichen Umständen heraus“ in die Wege
geleitet. Letztlich habe sie niemandem geschadet – außer sich selbst
durch den heraufbeschworenen Zahlungsstopp der Kassen, der letztlich
auch zur Schließung ihrer Praxis in Riesa führte.
Zugute kam der 35-Jährigen neben ihrem Geständnis ihr untadeliger
Leumund. Sie ist strafrechtlich bislang noch nie in Erscheinung
getreten, nach eigenen Angaben schuldenfrei. Ihren Lebensunterhalt
bestreitet sie mit einem geringen Einkommen aus einer stundenweisen
Arbeit in einem Fitnessstudio plus Unterhaltszahlungen des Vaters ihrer
zweijährigen Tochter. Von diesen wahrlich nicht üppigen Einnahmen muss
sie darüber hinaus noch die Miete für ihre Wohnung aufbringen. „Es muss
irgendwie gehen“, sagt sie auf eine darauf bezogene Frage des Gerichts.
Angesichts aller Umstände fiel es Richter Mischa Hecker nicht schwer,
die milde Forderung der Staatsanwaltschaft „im absolut unteren Bereich“
zu akzeptieren. Die Angeklagte wurde zu einer Strafe von 30 Tagessätzen
zu je 10 Euro verurteilt.
Die kann sie jetzt – auch auf Empfehlung des Richters – entweder in
Raten abzahlen oder aber zugunsten eines gemeinnützigen Zweckes
abarbeiten. Die Frau nahm das Urteil mit sichtlicher Erleichterung auf.

Nach oben